Von der ersten Skizze zum fertigen Linoldruck

Von der Skizze zur Vorlage

Eine erste Idee halte ich fast immer analog, meist mit Bleistift fest. Mit einem Stift auf Papier bin ich schneller als auf dem Tablet, es fühlt sich natürlicher an und das Ergebnis ist meist deutlich lebendiger. Den Schwung dieser Skizze versuche ich dann, durch alle folgenden Bearbeitungsschritte in das Endergebnis zu retten.

Bleistiftskizze des Druckvorhabens

Basierend auf der ersten Skizze spiele ich oft noch ein wenig herum und probiere verschiedene Varianten aus. Die Skizze, die mir am besten gefällt, digitalisiere ich, um sie weiter auszuarbeiten. Dabei nutze ich dann alle Hilfsmittel, die die digitalen Tools so anbieten und wenn mir das Ergebnis gefällt, spiegel ich die Vorlage und drucke sie aus.

Digitale Vorlage des Druckvorhabens, schon gespiegelt.

Von der Vorlage zum Druckstock

Um die Vorlage auf den Linoleum-Block zu übertragen gibt es viele Möglichkeiten. Ich bemale die Rückseite der ausgedruckten Vorlage komplett mit Kohle, wische überschüssigen Staub mit einem Tuch ab und übertrage die Vorlage dann auf das Linoleum. Dazu befestige ich die Vorlage mit einer Klammer am Linoleum und male mit einem harten Bleistift die Vorlage nach. Dabei braucht man kaum Druck und erhält einen schönen Durchschlag.

TIPP: Ich habe bei vorherigen Drucken die Rückseite der Vorlage mit einem weichen Bleistift statt mit Kohle bemalt. Das geht auch, allerdings ist der Durchschlag deutlich schwächer und verwischt beim Schneiden auch schneller. Kohle hat für mich deutlich besser funktioniert.

Jetzt kommt der zeitaufwändigste Teil. Alles, was nicht schwarz ist, muss weg. Ich habe mit den Buchstaben begonnen, und gehe immer gleich vor. Zunächst schneide ich mit einem sehr kleinen Werkzeug einen Umriss um die Stellen, die stehen bleiben sollen. Danach vergrößere ich mit einem etwas größeren Werkzeug den Umriss und abschließend habe ich ein drittes Werkzeug, um größere Flächen wegzuschneiden.

Ich versuche, die Werkzeuge immer in eine Richtung zu bewegen, in der weder meine Finger, noch wichtige Details im Weg sind, falls ich einmal abrutschen sollte. Je besser und schärfer das Werkzeug, desto geringer ist die Gefahr abzurutschen. Die größten Unfälle entstehen dann, wenn man mit stumpfen Werkzeugen in hartes Linoleum schneidet, da man die Werkzeuge mit großem Druck führt und ein Abrutschen oft fatal endet. Ich habe gute Schnitzwerkzeuge, eigentlich für Holz gedacht, die ich auch fürs Linoleum verwende und das geht mit so viel Gefühl, Abrutschen ist da kaum möglich und wenn, dann ohne viel Schwung.

Vom Druckstock zum Druck

Der Druck, für mich aktuell noch viel Versuch und Irrtum. Es gibt so viele Variablen. Wie rolle ich die Farbe aus? Wie viel Farbe muss auf den Druckstock? Wie lange muss die Farbe einziehen? Womit drucke ich, Falzbein oder Anpresswalze? Wie viel Druck brauche ich? Wie schaffe ich es, dass das Papier während des Drucks nicht verrutscht? Welches Papier nehme ich? Wie dick soll es sein? Wie glatt soll es sein?

Natürlich gibt es hilfreiche Antworten auf viele dieser Fragen. Das Papier sollte für den Druck ohne Presse nicht zu dick und nicht zu strukturiert sein, da man höheren Druck braucht, je dicker und je strukturierter das Papier ist. Mit einer Presse geht das, von Hand nicht so gut.

Einige Antworten sind leider für Laien weniger hilfreich. Die Konsistenz der Farbe ist wohl perfekt, wenn das Geräusch der Walze, wenn man die Farbe ausrollt in ein sirren übergeht, andere sprechen von einem hellen singen. Ich sehe ein, dass es einem selbst hilft, wenn man das Geräusch einmal gefunden hat, aber in einem Tutorial kann ich damit wenig anfangen. Glücklicherweise findet man mit ein paar Testdrucken auf billigem Kopierpapier recht schnell heraus, was grob funktioniert.

Bezüglich der Drucktechnik habe ich mich bei diesem Druck für das Falzbein entschieden. Wahrscheinlich bedingt durch die geringe Auflagefläche des Papiers auf dem Druckstock ist das Papier mir beim Pressen mit der Walze immer verrutscht. Beim Reiben mit dem Falzbein konnte ich das Papier mit der freien Hand fixieren und außerdem sehr gezielt und punktuell hohen Druck ausüben. Da dieser spezielle Druck wenige große Flächen und viele kleine Details enthält, ging das sehr gut. Bei hohem Druck drückt sich der Druckstock so ins Papier, dass man beim Reiben mit dem Falzbein genau erkennt, was sich wo befindet. Ich konnte so jeden Buchstaben und alle Kanten mit dem Falzbein entlangfahren und genau dort hohen Druck ausüben, wo er gebraucht wurde.

Als Papier habe ich Canson Barbizon Druckkarton gewählt. Mit 250 g/m² ist der zwar auch recht dick, aber er hat eine strukturierte und eine sehr gleichmäßige weiche Seite, auf der man sehr gut drucken kann. Das hat für mich gut funktioniert.

Foto des Druckvorgangs, rechts der eingefärbte Druckstock, links ausgewalzte Druckfarbe

Das Ergebnis

Ich bin recht stolz auf meine kleine Auflage von sieben Drucken + zwei Abzüge für mich, die am Ende etwas geworden sind. Die meisten sind nicht perfekt, aber ich nenne das einfach den besonderen Charme eines Linoldrucks.

Druckgrafik einer menschlichen Figur mit Totenschädel im Anzug. In Form einer Sense sind die Worte "Thougts and Prayers" neben der Figur dargestellt.

Für’s nächste Mal

Man lernt bei jedem Projekt dazu. Bei diesem Projekt hatte ich Schwierigkeiten, weil mein Papier beim Druck oft leicht verrutscht ist. Ich habe den hilfreichen Ratschlag erhalten, dass das vielleicht an der sehr geringen Auflagefläche des Papiers liegt und mir wurde empfohlen, nicht alles wegzuschneiden, was nicht gedruckt wird. Stattdessen sollte ich besser nur um das Motiv herum das Linoleum wegschneiden und am Rand möglichst viel stehen lassen. Dieser Bereicht wird dann einfach nicht eingefärbt, oder mit einem dünnen Papier abgedeckt. Dadurch hat das Papier am Ende eine größere Auflagefläche und bewegt sich vielleicht beim Druck nicht so schnell. Das werde ich auf jeden Fall beim nächsten Druck ausprobieren.

Eventuell feuchte ich das Papier auch mal an, insbesondere bei schwerem Papier könnte das helfen, allerdings nutze ich aktuell eine Farbe auf Wasserbasis und könnte mir vorstellen, dass sie verläuft. Ein Test kann aber ja nicht schaden.

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