Papier für den Linoldruck

Ich habe bisher meine Linoldrucke alle auf relativ dickem Papier gedruckt. Zuletzt habe ich Fabriano Tiepolo und Canson Barbizon Druckkarton verwendet. Da ich keine Presse habe, sondern von Hand drucke, hatte ich gerade bei großen Flächen immer Probleme, genug Druck aufzuwenden, um die Farbe überall zu übertragen. Ich habe mich deshalb nach Alternativen umgeschaut und Japanpapier bestellt. Das ist ziemlich dünn, fühlt sich aber sehr hochwertig an. Es ist so dünn, dass ich es auf ein weißes Blatt Papier legen musste, da der Untergrund durchscheint.

Japanpapier, oben Bunko-Shi mit 71 gsm, unten Kawasaki mit 35 gsm

Ein Druckstock für den Härtetest

Natürlich muss neues Papier ausgiebig getestet werden. Gleichzeitig wollte ich schon länger ausprobieren, die dickeren Papiere vor dem Druck zu wässern, damit sie sich leichter bedrucken lassen. Hierzu brauchte ich einen Druckstock, der dem Papier alles abverlangt. Er sollte mindestens A5 groß sein und eine möglichst große schwarze Fläche enthalten. Je größer eine Fläche, desto schwieriger ist es, sie gleichmäßig zu drucken.

Basierend auf diesen Anforderungen ist der Druckstock entstanden, ein zugegeben etwas düsteres Motiv, aber es sollte ja sehr dunkel sein.

Schwierigkeiten beim Druck

Das Problem bei so großen Flächen zeigt sich sehr schön im Testdruck auf Papierresten (Fabriano Tiepolo). Ich habe das Papier einmal trocken bedruckt (links) und einmal vorher angefeuchtet (rechts), indem ich Wasser aus einem Zerstäuber auf das Papier gesprüht habe. Dann habe ich das Papier auf meinen Druckstock gelegt und nur mit einer Walze Druck auf das Papier ausgeübt. Das Papier ist zwar nicht stark strukturiert, aber man sieht gut, dass der Druck bei weitem nicht ausgereicht hat, um Farbe in die Vertiefungen der Papierstruktur zu bekommen. Angefeuchtet funktioniert es schon besser, allerdings muss man da je nach verwendeter Farbe vorsichtig sein. Wenn das Papier zu feucht ist, verläuft die Farbe beim Druck. Man sieht das gut an den Zähnen in der Detailaufnahme rechts.

Es wäre möglich gewesen, nach dem Walzen noch mit einem Falzbein über das Papier zu gehen. Durch die kleinere Auflagefläche ist der Druck punktuell hoch genug, um die Farbe auch in die Vertiefungen zu bekommen. Allerdings ist das bei so einer großen Fläche eine heidenarbeit.

Vergleich der Papiere

Grundsätzlich bin ich bei allen Papieren gleich vorgegangen. Ich habe den Druckstock mit der Druckfarbe (Caligo Safe Wash Relief Ink) eingefärbt, dann habe ich das Papier auf den Druckstock gelegt. Oben auf das Papier habe ich ein weiches Tuch gelegt und dann zunächst mit einer Walze Druck ausgeübt. Danach habe ich das Tuch entfernt, ein Blatt Kopierpapier zum Schutz auf das Druckpapier gelegt und bin dann noch eimal mit dem Falzbein über die die ganze Fläche gefahren.

Canson Barbizon Druckkarton

Im Unterschied zu den Japanpapieren habe ich den Druckkarton vor dem Druck gewässert. Ich habe das Papier komplett nass gemacht und dann zwischen Küchenpapier ein wenig ruhen lassen. ACHTUNG: Küchenpapier ist nicht optimal, durch die Struktur des Küchenpapiers ist das Druckpapier nachher nicht gleichmäßig feucht, man sieht das Muster des Küchenpapiers später im Druck. Ich habe zunächst wieder Druck mit meiner Walze ausgeübt und habe dann aber noch einmal mit dem Falzbein nachgearbeitet.

Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, jedoch nicht begeistert. Die Farbe wirkt an einigen Stellen ein wenig Stumpf, an anderen glänzt sie mehr. Das mag daran liegen, dass das Papier nicht gleichmäßig feucht war, hier muss ich auf jeden Fall noch experimentieren. Vielleicht verändert sich das auch noch während der Trocknungsphase. Die Struktur des Küchenpapiers würde man im zweiten Druck sehen, den habe ich nicht fotografiert.

Japanpapier – Kawasaki – 35 gsm

Das Papier ist wirklich unglaublich dünn. Normales Kopierpapier hat ca. 80 gsm. Man kann durch das Papier durchschauen, es fühlt sich gleichzeitig aber sehr hochwertig an und hat eine sehr schöne seidige Struktur. Beim Druck schlägt die Druckfarbe direkt durch das Papier durch, man muss also auf jeden Fall etwas auf das Papier legen, sonst wird die Walze bzw. das Tuch schwarz.

Der Druck selbst ist, obwohl das Papier so dünn ist, nicht deutlich einfacher. Nur mit der Walze zu drücken reicht nicht. Wenn man aber anschließend die ganze Fläche noch einmal mit der Kante des Falzbeins entlangfährt wird der Druck perfekt. Es ist aber wirklich wichtig, das Papier zu schützen. Fährt man mit dem Falzbein direkt über die Rückseite des Papiers wird es wellig. Der Unterschied im Vergleich zu den dicken Papieren ist, dass man mit dem Falzbein nicht ganz so stark pressen muss, es reicht, dass der Druck punktueller ausgeübt wird.

Mit dem Ergebnis bin ich absolut zufrieden. Mit so einem schönen Ergebnis hatte ich selbst nich gerechnet. Die Farbe wirkt satt und schwarz und wenn man seitlich schaut hat man einen sehr schönen Glanz.

Japanpapier – Bunko-Shi – 71 gsm

Das Papier ist nicht ganz so dünn, aber aufgrund der eingeschlossenen Naturfasern an sich schon sehr schön. Also das würde ich mir fast unbedruckt aufhängen.

Beim Drucken verhält es sich ähnlich wie das Kawasaki-Papier. Man muss mit dem Falzbein am Ende ein wenig um die Einschlüsse drumrum arbeiten, da durch die Fasern natürlich kleine Einschlüsse entstehen, die einen sauberen Druck sonst verhindern.

Das Ergebnis ist am Ende wieder wunderschön. Bei dem Papier ist es eigentlich zu schade, so eine große schwarze Fläche zu drucken. Es eignet sich aber sicher ich super für florale Motive oder Drucke von Tieren, Natur, etc.

Fazit und ein Wort zur Farbe

Ich bin mit den neuen Papieren sehr zufrieden. Ich werde in Zukunft wahrscheinlich hauptsächlich auf diesen dünnen Papieren drucken. Sowohl optisch, als auch haptisch bin ich überzeugt. Die dickeren Papiere werde ich natürlich weiter für Weihnachts- und Osterkarten nutzen, die müssen ja fester sein.

So leicht, wie es in vielenVideos aussieht, klappt es aber bei mir nicht. Ich habe sechs Drucke gemacht und heute ordentlich Muskelkater. Ordentlich Druck mit dem Falzbein ist am Ende das einzige, was mich wirklich überzeugt. Auf den dünnen Papieren erhalte ich damit aber zumindest Ergebnisse, bei denen ich mir nicht vorstellen kann, dass sie mit einer Presse irgendwie besser wären.

Die Farbe

Wie oben schon erwähnt, habe ich (zum ersten Mal) Caligo Safe Wash Relief Ink verwendet. Die Farbe ist auf Ölbasis, aber mit Seife (viel Seife) abwaschbar. Das hat auch wirklich gut funktioniert. Nach dem Drucken arbeitet man mit den Fingern oder einem Pinsel Flüssigseife in die Farbe auf den Werkzeugen und auf dem Druckstock ein und kann dann die Farbreste einfach abspülen. Natürlich ist es aufwändiger, als bei wasserlöslicher Farbe, aber man bekommt so die Vorzüge der ölbasierten Farben und verzichtet auf das Geraffel beim Säubern mit Lösungsmitteln. Es war zwar jetzt nur der erste Test, aber grundsätzlich bin ich überzeugt.