Entstehung eines Comics

Vor einigen Wochen trendete mal wieder der Hashtag #Verschwörungstheorien auf Twitter und bei den vielen Kommentaren von Menschen, die sich nicht vorstellen können, jemals selbst einer dieser absonderlichen Theorien zu verfallen, kam mir die Idee für einen kurzen Comic.

Diese erste Idee habe ich zunächst in einer schnellen Skizze festgehalten und auf meinen Stapel mit unausgereiften Ideen gelegt. Regelmäßig blättere ich durch die Ideen und manchmal entwickelt sich dann aus so einer Skizze mehr. Manche schmeiße ich auch einfach irgendwann weg.

Sehr grobe erste Skizze der Idee

Von der Skizze zum Comic

Wenn ich mich entscheide, eine Skizze weiter auszuarbeiten, spiele ich zunächst ein wenig herum. Es fällt mir leichter, mir Dinge vorzustellen, die ich auf dem Papier vor mir sehe. Selbst wenn die Skizzen kaum erkennbar sind, habe ich etwas, an dem ich mich festhalten kann.

Bei diesem Comic spielte Perspektive eine große Rolle. Ich habe zunächst versucht, die Szene von oben zu zeichen (s. zweite Skizze unten), allerdings hat mir das nicht gereicht. Daher habe ich die Szene dann auf ganz einfache Weise in Blender nachgebaut, um mir komplizierte Konstruktionsskizzen zu sparen. Die Bilder auf jeden Fall so gezeichnet sein, dass der Betrachter als Teil der Szene gedacht werden kann, also nicht als Außenstehender über der Szene schwebt, sondern direkt beobachtet, als wäre er dabei.

Nachbau der Szene in Blender 3D

Aus der ersten Skizze entwickelt sich so nach und nach eine fertige Idee. Meist zeichne ich hier immer noch sehr klein, um mich nicht in Details zu verlieren. Die Skizzen sind alle so 8 cm x 8 cm groß.

Diese ausgearbeiteten Skizzen habe ich dann digitalisiert, um sie zu vergrößern. Dabei habe ich dann noch den Umweg übers Tablet gewählt und die Perspektive korrigiert. Procreate bietet da wunderbare Zeichenhilfen an, mit denen man auch mehrere Fluchtpunkte problemlos und schnell hinbekommt. Da ich es nicht mag, wenn meine Sprechblasen unförmig sind, habe ich dann noch kurz mit Inkscape schöne Sprechblasen gezeichnet und hatte dann eine Vorlage, die ich mir wieder ausgedruckt habe.

Parallel: Der Text

Natürlich sollten die Personen auch etwas sagen, ansonsten hätte ich mir die Sprechblasen sparen können. Text zu entwickeln passiert bei mir zunächst parallel. Ich starte mit der Kernaussage, die aber meist noch sehr unrund klingt und selten das auf den Punkt bringt, was ich ausdrücken möchte. Außerdem neige ich zu langen Umschreibungen, auch nicht optimal für so einen Comic. Also habe ich parallel zum Zeichnen immer wieder mal Ideen notiert und bin so nach und nach zum Text gekommen.

Dabei mache ich mir dann auch durchaus Gedanken, wie ich eine bestimmte Wirkung erzeugen kann. Hier wollte ich, dass die beiden Personen sich selbst abgrenzen von denjenigen, die an Verschwörungstheorien glauben. Es sollte klar werden, dass sie sich für etwas besseres halten. So wurde dann gegen Ende aus:

A: Chemtrails und 5G-Syndrom, wie kann man an sowas glauben?
B: Wahrscheinlich nie gelernt, kritisch zu hinterfragen / zu denken.

Version 1

A: Chemtrails und 5G-Syndrom, wie kann jemand an sowas glauben?
B: Solche Menschen glauben halt alles, was man ihnen erzählt.

Version 2 – (Solche Menschen -> abwertend, sich selbst ausnehmend)

Insbesondere da der Text so wichtig ist, tue ich mich da meist schwer, aber irgendwann bin ich glücklich, oder zumindest so zufrieden, dass ich es so stehen lasse.

Die Bleistiftzeichnung

Die korrigierten ausgedruckten Skizzen habe ich dann einfach abgepaust und mit Bleistift schon ein wenig schattiert, ich war mir bis zuletzt nicht sicher, ob ich überhaupt mit Tusche rangehe, oder ob ich es komplett mit Bleistift mache, habe dann aber doch die Tusche rausgeholt.

Bleistiftzeichnung basierend auf der digitalen Vorlage

Die Tuschezeichnung

Mit verschieden feinen (und verschieden ausgetrockneten Finelinern …) habe ich dann weitergearbeitet. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon die Idee, die Farben nachher digital zu machen, wollte aber, dass es möglichst natürlich und analog ausieht und habe daher schon recht viel mit Tusche gemacht.

Hier kam jetzt auch der Text in die Sprechblasen. Dazu habe ich mir zunächst die Sprechblasen erneut leer abgepaust und ausprobiert, wie der Text am besten passt. Danach habe den fertigen Text wieder abgepaust, damit es passt. Mit mehr Erfahrung geht das vielleicht auch direkt, aber bei mir wirds dann krumm und schief.

Die Kolorierung

Für den letzten Schritt habe ich die fertige Tuschezeichnung dann wieder digitalisiert, in Procreate als Ebene mit Mischmodus „Multiplizieren“ importiert und in einer Ebene darunter gemalt. So kann man gefahrlos Farben ausprobieren und verschiedene Varianten schnell gegenüberstellen. Am Ende weiß ich nicht, welche Version mir besser gefällt, die farbige, oder die reine Tuschezeichnung.

Kolorierter Comic

Fazit

Der Ablauf ist irgendwie hakelig, von Analog zu Digital, von dort zu Analog und dann noch mal zu digital. Für einen krativen Prozess ist das schon ziemlich technisch. Dafür kaufe ich mir allerdings diverse Sicherheitsnetze und brauche keine Sorge haben, etwas irgendwann auf halbem Weg zu versauen. Ich plane, in Zukunft mehr solcher kleinen Comics zu machen, das Tagesgeschehen gibt das her und es trainiert, Dinge prägnant und pointiert auf den Punkt zu bringen, zumindest hoffe ich da.