Digitalisierung von Bildern

Bilder zu digitalisieren ist ein ganz eigenes Thema, an dem man hin und wieder verzweifeln kann. Bei Schwarz-Weiß-Bildern kann man oft noch scannen. Ich habe einen ganz vernünftigen Scanner und wenn das Bild nicht zu viele zarte Verläufe enthält, geht das schon.
Ganz anders sieht es aus, wenn Farbe ins Spiel kommt. Mein Scanner scheitert bei Farbe grandios. Außerdem gibt es Farben, die digital gar nicht dargestellt werden können, man muss also sowieso immer Abstriche machen. Trotzdem möchte man ja vernünftige Bilder und dazu gehe ich wie folgt vor.

Das Foto

Alles beginnt mit dem Foto. Ich habe eine vernünftige Kamera (Sony Alpha 6000), jedoch fotografiere ich auch viel mit Smartphone und Tablet, da dann häufig weniger Licht ausreicht. Die Kamera braucht recht viel Licht. Am liebsten mache ich die Fotos in direktem Sonnenlicht, dadurch leuchten die Farben besonders schön. Aktuell gibt es aber kein Sonnenlicht. Genaugenommen wird es eigentlich gar nicht hell genug, als dass ich bei Tageslicht mit der Kamera überhaupt Fotos machen könnte, ohne, dass sie verwackeln. Eigentlich bleiben nur zwei Möglichkeiten.

  1. Ich fotografiere bei künstlichem Licht. Dabei gibt es je nach Lichtquelle ein großes Problem. Die Lichtintensität nimmt ziemlich schnell ab und man sieht das auf dem Papier. Eine Seite des Blattes ist nahezu überbelichtet, die andere wird schon sichtbar dunkel. Ich helfe mir hier mit einem Trick. Wenn die Lampe von links auf mein Papier scheint, halte ich rechts ein weißes Blatt Papier daneben. Das Papier reflektiert einen Teil des Lichtes und hellt die dunkle Seite sichtbar auf. Das funktioniert erstaunlich gut. Wenn man zwei Lampen hat, kann man sicher auch ein Setup basteln, wo von beiden Seiten Licht kommt.
Setup zur Beleuchtung eines Bildes
Hier sieht man den Effekt, der durch die Technik verhindert wird. die Lichtintensität nimmt von oben links nach unten rechts sichtbar ab.
  1. Ich fotografiere mit einem Stativ. Dazu lege ich das Bild möglichst in die Nähe eines Fensters, nutze auch die Technik mit dem weißen Blatt Papier auf der vom Fenster abgewandten Seite und bekomme mit einer längeren Belichtungszeit ein gutes Foto, ohne zu verwackeln. Fotos mit Stativ sind natürlich aufwändiger, führen aber meiner Erfahrung nach zu besseren Ergebnissen. Ich habe aber auch nur eine (gute) Schreibtischlampe als Alternative zum Tageslicht. Ordentliches Studiolicht wäre sicher auch eine Lösung ;).

Die Nachbearbeitung

Egal wie ich fotografiere, ich muss das Bild danach immer bearbeiten und zumindest die Belichtung und meist auch den Weißabgleich anpassen. Da meine Kamera RAW-Dateien aufnehmen kann, habe ich ein professionelles Programm (Capture One), um die Bilder zu bearbeiten. Dadurch, dass ich im RAW-Format aufnehme, habe ich in der Nachbearbeitung auch noch alle Möglichkeiten. Die grundlegenden Funktionen beherrscht aber auch GIMP und deshalb habe ich für diesen Blogpost das Bild zunächst als .jpg gespeichert und nur mit GIMP bearbeitet.

Links das (begradigte) Ausgangsbild direkt aus der Kamera, rechts das Ergebnis nach der Bildbearbeitung in GIMP.

Um vom Ausgangsbild zum Ergebnis zu kommen, nutze ich immer folgende Schritte.

1. Helligkeit anpassen

Zunächst passe ich die Helligkeit an. In GIMP klicke ich dazu auf „Farben“ und dann auf „Werte …“. Es gibt diese Möglichkeit aber in jedem Bildbearbeitungsprogramm, sie heißt nur manchmal anders. Es öffnet sich ein kleines Fenster, in dem mir ein Histogramm angezeigt wird. Das Histogramm zeigt mir vereinfacht gesagt, wie viele Pixel in meinem Bild welche Helligkeit haben. Ich kann hier erkennen, dass es viele Pixel gibt, die sehr dunkel oder dunkel sind, dass es jedoch fast keine Pixel gibt, die wirklich hell sind.

Farbwerte anpassen Ausgangsbild
Das Histogramm zeigt, dass es keine weißen Pixel im Bild gibt.

Direkt unter dem Histogramm befindet sich ein Balken mit einem Farbverlauf von Schwarz nach Weiß. Ganz links an diesem Balken ist ein schwarzer kleiner Pfeil, in der Mitte ist ein grauer und rechts ein weißer. Diese Pfeile kann ich verschieben. Ich kann dadurch angeben, welche Pixel bei mir weiß sein sollen. Ich ziehe den Pfeil also soweit nach links, dass der Bereich, in dem fast keine Pixel liegen, rechts vom Pfeil iegt. Alle Pixel in diesem Bereich sind ganz weiß. Im ersten Bild unten sieht man, dass der weiße Teil des Balkens größer geworden ist. Wenn ich den Pfeil noch weiter nach links schiebe, sieht man gut, dass plötzlich große Bereiche des Bildes weiß werden.

Ähnlich könnte ich auch mit dem schwarzen Pfeil vorgehen und dadurch die dunklen Bereiche des Bildes dunkler machen. Da hier im Bild die dunklen Stellen schon dunkel sind, ist das gar nicht nötig. Der mittlere Pfeil ist für den Gamma-Wert, meist verschiebe ich den einfach ein bisschen, bis ich zufrieden bin.

2. Weißabgleich

Das Menschliche Auge kennt kein Weiß, wir wissen was in unserer Umgebung welche Farbe hat und deshalb „sehen“ wir ein Blatt Papier immer weiß, egal ob es von einer Glühlampe oder einer kaltweißen Neonröhre beleuchtet wird. Deshalb funktionieren auch diese ganzen lustigen optischen Täuschungen.

Da der Computer keine Seherfahrung hat und ein Foto die Farben oft möglichst „realistisch“ wiedergeben soll, kann man am Computer angeben, welche Teile des Bildes weiß oder neutral grau dargestellt werden sollen. Auch das kann man in jedem Bildbearbeitungsprogramm machen. Bei GIMP wieder durch einen Klick auf „Farben“ und dann auf „Farbtemperatur“. Der automatische Weißableich in GIMP funktioniert für mich selten bis nie.

Ich hätte das Bild gern ein wenig kühler, hier spiele ich meist ein wenig mit dem Regler, bis ich das Gefühl habe, die Farben passen. Natürlich wird das nie perfekt funktionieren, schon allein, da meine Wohnzimmerlampe recht warm auf meinen Monitor scheint.

Farbtemperatur anpassen

Weitere Anpassungen

An dieser Stelle bin ich meist zufrieden und poste die Bilder. Natürlich kann man die Helligkeitswerte noch präziser anpassen, man kann am Farbton und an der Sättigung drehen, man kann einzelne Farben in Richtung warm/kalt verschieben, was auch immer.

Allgemein gilt, je besser das Foto am Anfang, desto einfacher ist die anschließende Nachbearbeitung. Die oben aufgezählten Schritte dauern nur ein paar Minuten, alles weitere artet oft in unnötige Detailarbeit aus. Man sollte sich auch nicht zu viele Gedanken machen, da man nie weiß, an welchem Monitor das Bild angeschaut wird. Ich kann die Farben noch so perfekt anpassen, wenn jemand seinen Monitor falsch eingestellt hat oder einen alten Monitor mit Farbstich hat, sehen die Farben schon wieder ganz anders aus, als von mir gewünscht.